Eine Einführung in die MBSR-Praxis von Jon Kabat-Zinn. Teil 2
Was ist Achtsamkeit?
Die meisten Menschen, die das Wort Meditation hören, verstehen darunter transzendentale Meditation oder ähnliche Übungen, die eine Entspannung bewirken. In diesen Zugängen richtet man die Aufmerksamkeit auf ein Objekt, gewöhnlicherweise die Empfindungen des Ein- und Ausströmens des Atems oder ein Mantra (ein spezieller Klang oder eine Wortfolge, die man still im Geist wiederholt). Alle anderen Dinge, die im Geist entstehen, werden als Ablenkungen angesehen, die nicht verfolgt werden sollen. Solche Übungen können tiefe Zustände der Ruhe hervorrufen und entwickeln eine stetige Aufmerksamkeit. Sie sind als Konzentrationsmeditationen bekannt, oder auch als Meditationen der Einsgerichtetheit. Bei den Buddhisten werden sie shamatha- oder samadhi-Meditationen genannt.
Achtsamkeit ist die andere wesentliche Richtung von Meditationspraxis, auch bekannt als Vipassana oder Einsichts-Meditation. In der Übung von Achtsamkeit macht man anfangs Gebrauch von einer einsgerichteten Aufmerksamkeit, um Ruhe und Beständigkeit zu kultivieren, doch anschließend geht man darüber hinaus, indem man die Objekte der Beobachtung erweitert, sowie ein Element des Erforschens einbringt. Wenn Gedanken oder Gefühle entstehen, ignoriert man sie nicht, noch unterdrückt man sie, noch analysiert oder beurteilt man ihren Inhalt. Stattdessen betrachtet man sie, absichtlich und so gut man kann, ohne sie zu bewerten, wie sie von Moment zu Moment als Ereignisse im Feld des Gewahrseins entstehen.