"Achtsamkeit" wird in unserer Umgangssprache von "Aufmerksamkeit" kaum unterschieden; am ehesten ist hier mit Achtsamkeit jene erhöhte, gezielt gelenkte und kontrollierte Aufmerksamkeit gemeint, die mit wacher und bewusster Wahrnehmungsbereitschaft einhergeht, mit präziserer Selbst- und Fremdwahrnehmung, umsichtigerer Willensbildung, einer genaueren, differenzierteren und besser auf die Realität eingestellten Selbststeuerung sowie mit einem schnelleren, flexibleren und einer Situation besser angemessenen Reagieren.
Wie hier von mir beschrieben finden sich dagegen in der buddhistischen Literatur viele Angaben (vor allem im Kapitel über "Achtsamkeit und Konzentration" des Buches von Henepola Gunaratana Die Praxis der Achtsamkeit), die nahelegen, dass es eine Aufmerksamkeitseinstellung gibt, die weiter, offener und umfassender als die gewöhnliche ist! (Siehe dazu Sati und geistige Weite von Analayo sowie die detaillierten psychologischen Erläuterungen in den beiden Büchern des Bewusstseinsforschers Charles Tart, die hier angezeigt sind.)
Danach müssen zwei Aufmerksamkeitseinstellungen klar voneinander unterschieden werden: beschränkte Aufmerksamkeit mit ihrem mehr oder weniger eng begrenzten Fokus (wegen dem Charles Tart sie in seinem hier angezeigten Buch als Alltags- oder Konsensustrance bezeichnet) und weit-offene unbegrenzte Achtsamkeit oder Gewahrsamkeit, wie oft auch gesagt wird.
In der Sommerausgabe 2008 des Magazins Connection-Spirit habe ich mich bemüht, den Unterschied zwischen beiden "geistigen" Haltungen zu erläutern. Ein Echo darauf ist die Auseinandersetzung der Schriftstellerin Vera Simon mit dem Thema in ihrem Blog hier.